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Gerade mal ein halbes Jahrzehnt hat Philip Sayce gebraucht, um sich in die internationale Top-Riege der Bluesrock-Gitarristen zu spielen, die nicht nur virtuose Meister auf ihrem Instrument sind, sondern auch beachtlich singen und dazu ihre Songs in beeindruckender Manier selbst schreiben. Früher Vorschusslorbeeren hat Sayce im Studio wie auf der Bühne inzwischen längst bestätigt, und mit seinem neuen Album „Steamroller“ ist er drauf und dran, Joe Bonamassa und Walter Trout noch dichter auf die Pelle rücken, den beiden europaweit führenden Platzhirschen, was Platten- und Ticketverkäufe angeht.
Vor allem als Gitarrist hat sich Sayce auf seinem mittlerweile vierten Longplayer keinerlei Limitierung auferlegt. „Es ist das ungefiltertste Album, das ich bislang gemacht habe – die einzige Vorgabe, die ich mir selbst auferlegt habe, war, dass ich in jedem Augenblick des Songwritings und Aufnehmens total ehrlich bin, sowohl mir selbst als auch meinen Fans gegenüber“, beschreibt der in Wales geborene und mit zwei Jahren nach Kanada ausgewanderte Musiker die Entstehung von „Steamroller“, des Nachfolgers seines 2011er Albums. Da ist seine Vergangenheit als Mitglied der L.A.-Combo Uncle Kracker, als langjähriger gitarristischer Begleiter von Melissa Etheridge (2003-2008) ebenso wenig heraushören, wie die Tatsache, dass der inzwischen 35-Jährige um die Jahrtausendwende vier Jahre in der Band von Jeff Healey spielte und dabei auch beim legendären Jazz Festival in Montreux zu erleben war.
„Die Themen dieses Albums sind Power, Stärke, Überzeugungsstärke, Selbstvertrauen, Wiedergeburt, Inspiration und das Verlangen, Barrieren niederzureißen“, sagt Sayce über seine Texte, die er musikalisch in einer wahren Achterbahnfahrt von Gitarrenbreaks, Soundwällen und purer Energie umgesetzt hat. Wobei er sich selbst und seinen Hörern auch Momente des Durchschnaufens gönnt, beispielsweise mit der gefühlvoll umgesetzten Ballade „Marigold“. Die wurde durch seine Ehefrau inspiriert, doch nähere Details will er nicht verraten, nur dass es um Stärke durch das Erleben wahrer Liebe geht. Aber auch mit „Holding On“ bewegt sich Sayce in eher verhalteneren Tempobereichen, lässt im Soloteil die Saiten teils verzerrt singen, um das Ganze dann in schimmernd klare Klänge aufzulösen.
„Ich wollte mich selbst ständig pushen, um alle mir emotional wie physisch nur irgendwie möglichen Sektoren auszuloten, was den Gesang und das Gitarrenspiel angeht.“ Doch Sayce beließ es nicht bei diesem verbalen Statement, sondern setzte das Anliegen musikalisch gelungen in die Tat, sprich Songs, um: Da schimmern seine musikalischen Wurzeln des britischen Bluesrock der 60er und frühen 70er Jahre durch. „Eric Clapton, Jeff Beck und Jimmy Page“, nennt Sayce die Vorbilder, die ihn früh prägten. Aber auch jüngere Akteure wie Mark Knopfler und amerikanische Inspiratoren wie „Jimi Hendrix, Ry Cooder und Stevie Ray Vaughan habe ich dank meiner musikbegeisterten Eltern bald kennen- und schätzen gelernt.
Anfangs ging ich ziemlich spielerisch mit der Musik um, doch als ich hörte, dass Stevie Ray Vaughan tödlich verunglückt war, habe ich die Musik auf einmal richtig ernstgenommen!“
Längst hat Sayce aus diesen Einflüssen seinen ganz eigenen, unverkennbaren Stil entwickelt, in dem seine Heroen eher zu erahnen als noch eindeutig zuzuordnen sind. Und diesen Stil setzt er auf „Steamroller“ in wuchtigen wie hymnenartigen Songs um. Mit brodelnden Akkorden wie in „A Mystic“, geradezu besessenem Spiel in „Black Train“ oder dem melodischen, beseelt-getragenen Instrumental „Aberystwyth“ zum Abschluss der Platte, das er nach seinem Geburtsort in Wales benannt hat. Oder zwischendurch im Soul-geschwängerten „Beautiful“, das geradezu funky vibriert, in Sayce Falsettgesang stellenweise gar Assoziationen in Richtung Stevie Wonder weckt und zugleich den in New Orleans beheimateten, rhythmisch synkopierten Swing der Meters atmet.
Sacye neues Album strotzt geradezu vor Lebenslust – am deutlichsten nachzuvollziehen in den beiden kraftvollen Abgehnummern „Steamroller“ und „The Bull“, in denen der Bandleader mit Hilfe seines Produzenten Dave Cobb einen bunten Klangkarneval zelebriert und all seine Träume auslebt, und das musikalisch wie textlich. Und: Man lausche nur mal konzentriert dem Solo von „The Bull“, das nicht nur zu den Highlights der gesamten CD gehört, sondern Sayce in Sachen Inspiration und Fingerfertigkeit auch auf Augenhöhe mit seinen Idolen wie Clapton (Komma) Hendrix, Vaughan, Page oder Healey tönen lässt.
„Bei ,Innerevolution´ (2010) habe ich mich sehr viel stärker aufs Songwriting konzentriert, wollte meine Entwicklung in diesem Bereich vorantreiben und hörbar machen“, schlägt Sayce einen Bogen, der über „Ruby Electric“ (zur Hälfte in Cobbs Studio in Nashville entstanden, zur Hälfte live in Europa mitgeschnitten) zu „Steamroller“ reicht: „Da lagen mir das Songwriting und die Performance gleichermaßen am Herzen, und ich denke, es ist uns gelungen, das auch umzusetzen“, zieht der 35-Jährige zufrieden Bilanz, ohne in Selbstzufriedenheit zu verfallen. „Jetzt habe ich Zeit, mir neue Ziele zu stecken, während ich ausgiebig toure.“ Und noch etwas liegt ihm am Herzen: „Natürlich haben wir mit ´Steamroller´ gewissermaßen vor allem die Rocksau auf einem hohen Energielevel losgelassen, doch wenn man genauer hinhört, geht es dabei auch ganz schön in die Tiefe. Es geht darum, aufrichtig und echt zu sein, mit sich selbst ins Reine zu kommen – und zugleich das Leben zu feiern“, eröffnet der in jeder Hinsicht gereifte Musiker gleich mehrere Zugangsmöglichkeiten für seine Fans und Hörer, die er zu Anhängern machen will. „Letztlich geht es bei Musik doch immer um Kommunikation – und ich bin überzeugt, dass meine Ideen, meine Vorstellungen, die ich auf ,Steamroller´ entfaltet habe, ihre Resonanz haben und gewissermaßen vom Publikum zu mir zurückschwingen werden.“
http://www.philipsayce.com/
Quelle: Another Dimension
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